Veranstaltungen und Vorträge im Museum

Treffpunkt Geigenbau 2022

Festival vielsaitig:  Mittwoch, 31. August bis Sonntag, 4. September 2022

unter dem Motto

Die Stadt Füssen im Allgäu gilt als Wiege des Lauten- und Geigenbaus und erlangte somit eine einzigartige Bedeutung in der europäischen Musikgeschichte.
Diesem historischen Erbe und der Wechselbeziehung zwischen Instrumentenbau und Musik widmet sich das Festival vielsaitig unter immer wieder neuen Aspekten.
Mit außergewöhnlichen Ensembles und Programmen und einer bemerkenswerten musikalischen Bandbreite wird ein jährlich wechselndes Motto interpretiert. In diesem Jahr findet das Festival unter dem Motto „Horizonte“ vom 31. August bis 10. September statt. Renommierte Künstler und  Nachwuchsensembles finden sich in klassischen Konzerten ebenso wieder wie in Alter und Neuer Musik. Meisterkurse für Pianisten und Streicher, Führungen sowie Vorträge und der „Treffpunkt Geigenbau“ vervollständigen das Programm.

In der Zeit von Mittwoch, 31. August bis Sonntag, 4. September, jeweils von 11 bis 17 Uhr, werden Geigenbauer aus der Region und aus Füssens Partnerstadt Cremona ihre Instrumente präsentieren:
 
Mittwoch, 31.08.2022
Auftakt zum Treffpunkt Geigenbau mit allen Instrumentenbauern um 11.00 Uhr
Nachmittags betreuen die Ausstellung:
Andreas Ott, Kempten & Gabriel Reinhold, Füssen
 
Donnerstag, 01.09.2022
Sibylle & Gaspar Borchardt, Cremona
 
Freitag, 02.09.2022
Georg Albeck, Roßhaupten
Pierre & Eric Chaubert, Füssen
 
Samstag, 03.09.2022
Marco Coppiardi, Cremona &
Oliver Radke, Füssen
 
Sonntag, 04.09.2022
Cordula & Hans Joachim Weber,
Bidingen
 
Die Instrumentenbauer lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und freuen sich auf einen regen Austausch mit Kollegen, Musikern und interessierten Laien. Die Instrumente aller Teilnehmer sind während des Treffpunkts Geigenbau im Museum ausgestellt und können ausprobiert werden.
 
 
Vorträge im Colloquium:

Freitag, 02.09.2022, 19.00 Uhr
Vortrag von Thomas Riedmiller M.A., Füssen mit Klangproben gespielt von Cordula Weber, Bidingen
Simpert Niggel – ein Füssener Geigenmacher von internationalem Ruf

Schon zu seinen Lebzeiten wurde der Füssener Geigenmacher Simpert Niggel (1710-1785) von der fürstbischöflichen Obrigkeit 1752 als „beriemter Meister“ bezeichnet. Die vielfältige Produktpalette seiner Zupf- und Streichinstrumente, die sich vor allem im Museum der Stadt Füssen erhalten hat, zeugt von seiner erfolgreichen Handwerkskunst. Besonders bemerkenswert ist die Klangqualität seiner Instrumente.
Die Geigerin und Geigenbaumeisterin Cordula Weber wird in einigen Klangproben Simpert Niggels Violine von 1739 zum Klingen bringen. Der frühere Füssener Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller zeichnet aus den wenigen überlieferten Nachrichten das Leben von Simpert Niggel nach.

Sonntag, 4. September 2022, 13.00 Uhr
Vortrag von Michelle Hara Wittmann M.A., Ludwigs-Maximilians-Universität München
Eine Laute und ihre Zeit – Was uns der barocke Kasten der Wolf-Laute erzählen kann

Die Kunsthistorikerin Michelle H. Wittmann erschließt die Geschichte des ältesten Instruments in der Sammlung des Museums der Stadt Füssen anhand seines reich verzierten Lautenkastens.
Die um das Jahr 1550 von Wolfgang Wolf gebaute Renaissancelaute wurde etwa ein Jahrhundert später dem barocken Musikgeschmack gemäß zu einer Laute mit zwei Wirbelkästen umgebaut, das Instrument erhielt deshalb ein neues Reiseetui. Dieser Lautenkoffer ist in seinem Inneren mit Schablonenmalerei und Kupferstichen aus verschiedenen Epochen ausgekleidet und bezeugt so indirekt die lange  Gebrauchsgeschichte der Laute, nachdem sie ihren Ursprungsort Füssen verlassen hatte.
Michelle Wittmann hat sich eingehend mit den zur Auskleidung des Kastens verwendeten Kupferstichen und ihren Sujets beschäftigt und präsentiert ihre Forschungsergebnisse über die Herkunft und den Inhalt der einzelnen Motive. Anhand dieser Resultate lassen sich Vermutungen über die Intention der einzigartigen Collage, die potenziellen Aufenthaltsorte des Instruments und die damalige Bedeutung des Instruments und des Musizierens an sich anstellen.

Sonntag, 4. September 2022, 14.00 Uhr
Vortrag von Eugen Sticht, Rüsselsheim
Ein anderer Klang für Streichinstrumente – Rudolf Steiner und die Geigen von Franz Thomastik

Der wissenschaftlich geschulte Geigenbauer Dr. Franz Thomastik meldete 1911 ein Patent in Österreich an, in dem er darlegte, wie er sich eine neue Geige bzw. einen anderen Klang vorstellte. Damit wollte er nicht das vorhandene Klangideal des barocken und daraus resultierenden klassischen Geigenbaus verbessern, sondern einen weniger fokussierten räumlichen Klang erzeugen. Der wesentlichste bauliche Unterschied besteht darin, dass der Stimmstock nicht mehr die Längsschwingung von Decke und Boden in zwei Teilschwingungen teilt, sondern sowohl die Decke als auch der Boden getrennt voneinander über die ganze Länge ihrer Platten angeregt werden. Franz Thomastik setzte sich ab 1917  für die Verbreitung von Rudolf Steiners sozialer Dreigliederungslehre ein. Rudolf Steiner wiederum schätzte den Klang der Thomastik-Geigen: „Die alten Geigen haben eine Wärme, wie wenn man sich ins Bett legt, und Ihre Geigen haben eine Wärme, wie wenn die Sonne aufgeht.“
Eugen Sticht begann den Geigenbau 1970 als Hobby, während er noch als Maschinenbau-Konstrukteur arbeitete. 1981 eröffnete Eugen Sticht – zunächst gemeinsam mit einem Kollegen – eine Geigenbauwerkstatt in Mainz. Nach der Meisterprüfung 1985 in Stuttgart bei Meister Mages führte er die Werkstatt mit 4-5 Auszubildenden und Gesellen weiter. Seit 2008 führt sein Sohn Horst Sticht die gemeinsame Werkstatt in Bauschheim.

Sonntag, 4. September 2022, 15.30 Uhr
Vortrag von Roland Schuster, Bubenreuth
Die Bedeutung des Stegs für den Klang der Geige

Wesentlicher Bestandteil des Instruments, um den Klang zu optimieren, ist der Steg. Der Geigenbauer Roland Schuster hat sich seit 1996 ganz auf die handwerkliche Herstellung von Stegen für Streichinstrumente spezialisiert. Bei ihm wird jeder Steg von Hand ausgesägt und ist somit ein Unikat, das – entgegengesetzt zur maschinellen Produktion – eine bestimmte Arbeitszeit erfordert. Durch seine großen Holzvorräte kann er auf mindestens 10 bis 15 Jahre abgelagertes Holz für seine Stege zurückgreifen. Zur Herstellung seiner Stege verwendet er ausschließlich bosnischen Ahorn. Dieses Holz hat sich in der Stegherstellung bestens bewährt und besitzt eine ausgezeichnete Klangqualität.
Neben den traditionellen Standardmodellen für Geige, Cello, Kontrabass und Gambe fertigt Roland Schuster auch individuelle Modelle in kleiner Stückzahl nach den Modellentwürfen der Geigenbauer. Auf diese Weise betreut er die Herstellung von über 350 Privatmodellen und sammelt dabei wertvolle Erfahrungen.

Sonntag, 4. September 2022, 16.30 Uhr
Vortrag von Martin Schleske, Landsberg am Lech
Die Geige – akustischer Körper und Stimme der Seele

Die altitalienische Geigenbaukunst dreier großer Lehrmeister des 18. Jahrhunderts inspirierten den Geigenbauer Martin Schleske über Jahrzehnte hinweg an der Werkbank und im akustischen Forschungslabor: Domenico Montagnana, Antonio Stradivari und Joseph Guarneri del Gesu. Eine Vielzahl dieser ehrwürdigen Meisterwerke konnte er in seiner Werkstatt kennenlernen und in seinem Akustiklabor in ihrem Resonanzprofil erforschen.
Die solistische Autorität eines Guarneri del Gesu, die Wärme und Tiefe eines Domenico Montagnana, die Feinheit, Noblesse und Leuchtkraft eines Antonio Stradivari – all dies sind Gaben, die Martin Schleske in seiner eigenen klanglichen Handschrift und künstlerischen Formensprache zu integrieren sucht.
Wer die Geschichte der Kunst und die der Wissenschaft gleichzeitig liest, erkennt, dass die berühmten Großmeister des Geigenbaues im 17. und 18. Jahrhundert hochgradig aufgeschlossen waren für Methoden, Überlegungen und Entdeckungen der Wissenschaft und Künste ihrer Zeit – Architektur, Mathematik, Physik, Komposition und Malerei. Die Geige als ein verblüffend geniales akustisches System konnte nur in einem Milieu begnadeter Empirie entstehen. Hier waren Meister am Werk, für die Kunst und Wissenschaft niemals im Widerspruch standen.

Eintritt Vorträge:
Freitag Abend 10 €,
Sonntag Nachmittag Einzelvortrag je 6 €, maximal 12 € im Paket, einschließlich Museumseintritt

Koordination: Eric Chaubert
Tel.: +49 (0) 176 76869308

Eintritt: Museumseintritt

Veranstalter

Kulturamt der Stadt Füssen
Lechhalde 3, 87629 Füssen
Tel. + 49 (0) 8362 903146
kultur@fuessen.de
www.festival-vielsaitig.fuessen.de

Fotos auf dieser Seite:  Museum der Stadt Füssen

Lechhalde 3, 87629 Füssen
Eingang durch den Klosterhof
Hier finden Sie das Museum im Opens external link in new windowStadtplan

Öffnungszeiten

1. April bis 6. November 2022:
Dienstag bis Sonntag
11 bis 17 Uhr

7. November 2022 bis 31. März 2023:
Freitag bis Sonntag
13 bis 16 Uhr

Flyer

Downloaden Sie hier den Initiates file downloadMuseumsflyer (255 KB)

Eindrücke aus dem Museum

Klosterrundgang im Allgäu.tv

Sarah Brightman und Vincent Niclo singen in der Klosterbibliothek

Führungen

Nach Vereinbarung (nur zu den regulären Öffnungszeiten)
Buchung: Tel. +49 (0)8362 903 143, museum@fuessen.de
Gebühr: 40 € zuzgl. Eintritt 4 € pro Person (max. 20 Personen)

Führung durch Kirche und Kloster St. Mang (durch Kirchenführer)
Jeden Samstag 10.30-12.00 Uhr (7. Mai bis 5. November)
Freier Eintritt, Treffpunkt Kircheneingang

Führung durch Kirche St. Mang, Krypta, Gruft und Annakapelle mit Totentanz (durch Kirchenführer)
Jeden Dienstag 15.30-16.45 Uhr (3. Mai bis 1. November)
Freier Eintritt, Treffpunkt Kircheneingang

Eintrittspreise

Erwachsene 6 €, ermäßigt 5 €
Kombikarte Museen 9 €
Unter 18 Jahren frei
Schulklassen frei

Kontakt

Tel. +49 (0)8362 903 143, museum@fuessen.de



Musikinformationszentrum:

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